So geht Journalismus heute!

Ich habe mir mal den Spaß gemacht und in den letzten Monaten häufiger Google-News benutzt. Einerseits aus Neugierde und andererseits weil es praktisch ist, wenn man warten muss und nicht gerne am Handy spielt, oder wenn (wie in meinem Fall) 2048 zu langweilig geworden ist. Zwei Dinge daran sind interessant: Ich bekomme Vorschläge für Artikel, die ich normal nicht entdeckt hätte, in etwa zehn Prozent.
Ich bekomme Vorschläge von Artikeln, von denen ich nie gedacht hätte, dass sich Leute dafür interessieren. Aber das nur am Rande. Falls und wenn man einen Artikel dann liest, passiert dies immer auf dem Originalmedium. Nach dem jeweiligen Beitrag kommt dann meistens noch Werbung. Gut, vorher und mittendrin auch, aber das ist ein anderes Thema. Diese Werbung stand jedenfalls am Ende – und selbiges verdeutlicht sie dann auch. Zweimal beschissener Stil und zwei Fehler in nur einer einzigen Anzeige. Alle Achtung!

Werbeanzeige des »Schwarzwälder Boten«,
gesehen am 9. August 2019 (Screenshot)

Dass der Gedankenstrich – so sieht er übrigens aus – länger ist als der Bindestrich, geschenkt. Von mir aus (oder meinetwegen), da er nicht euf der deutschen Tastatur steht, hat er es nun mal schwer. Eine 20-Jährige sieht beschissen aus, eine Zwanzigjährige ist viel schöner, finde ich zumindest. Dass sie nicht in einem beobachteten Moment flieht, ist anzunehmen. Wie stelle ich mir aber einen »unbeobachteten Moment« während einer Vergewaltigung vor? Wenn der Vergewaltiger pieseln muss und sagt: »Dreh dich rum, ich kann nicht, wenn mir jemand zusieht!«, ist sowas gemeint? Wie dem auch sei, das ist zumindest sprachlich fragwürdig bis entgleist. So, resümieren wir mal. Zweimal schlechter Stil, ein Fehler. Bleibt noch ein Fehler übrig, aber das ist der gravierendste und der ist unentschuldbar. So etwas darf sich nicht einmal eine Provinzzeitung erlauben und Povinzzeitungen dürfen sich einiges erlauben.

Wie verstrahlt muss ein Redakteur des Schwarzwälder Boten sein, um in dem Bild eine Vergewaltigung zu sehen? Jedes wirkliche Vergewaltigungsopfer dürfte das Bild als reinen Hohn empfinden. Mir ist schon klar, dass in den Redaktionen pure Verzweiflung herrscht. Da muss an allen Ecken und Enden gespart werden, weil kein Geld mehr hereinkommt und trotzdem gibt es diese Zwänge, denen man sich unterwerfen muss, um Reichweite zu erzielen, (immer ein Bild!). Dabei hat der Artikel doch sowieso schon alles (Flüchtling vergewaltigt) um in einem bestimmten Milieu enorme Reichweite zu erzielen. Ein Bild wäre gar nicht mehr nötig gewesen. Zumal der Flüchtling anscheinend aus Schweden zu uns geflüchtet ist, blonde Syrer, Nordafrikaner oder Afghanen sind eher selten, von den Flüchtlingen aus den Gebieten südlich der Sahara ganz zu schweigen.
So kann man sich täuschen. Das Bild ist dermaßen unscharf, dass ich den blonden Kopf für den Mann gehalten habe, Das Bild illustriere ein Liebesspiel, dachte ich. Aber ureigentlich illustriert das Bild einen Kindesmissbrauch …

Und das macht eigentlich alles nur noch schlimmer. Erstens der Fotograf, der mit solch einem Motiv ordentlich absahnt, weil Menschen mit noch weniger Skrupeln selten sind.
Zweitens der Redakteur, der sich sagt, ach komm, könnte ja auch eine sehr kleine Frau sein, merkt eh kein Schwein.
Ihr seid doch alle nicht mehr ganz normal. Ihr zeigt Symbolbilder für Vergewaltigungen, damit euer Käseblatt häufiger angeklickt wird? Ist schon ziemlich widerlich. Fazit, das Bild ist überflüssig und völlig deplaciert. Aber so wissen wir wenigstens, dass der Schwarzwälder Bote ein unter rechten Schmierlappen fischendes Provinzblatt ist, was sich nicht einmal anständige Praktikanten leisten kann.


Ein Gedanke zu “So geht Journalismus heute!

  1. Eine traurige Erkenntnis, die ich nichteinmal mehr liken mag, weil mir das sinnentstellende Bild zuviele Assoziation provoziert, die teilweise sogar noch positiv sind. (Die unter Hand hält die obere fest.) Und positive Assoziationen im Zusammenhang mit einer Vergewaltigung mag ich nicht nur nicht, ich halte sie für didaktischen Wahnsinn. (Bildungsauftrag der öffentlichen Medien? )

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