Korrektorat

Als Autor macht man sich ja schon Gedanken darüber, wer das eigene Buch denn korrigieren soll. Ist man bei keinem großen Verlag, wird es entweder mühsam, teuer oder beides. Mit Nischenprodukten wie meinen Büchern braucht man die Verlage gar nicht erst anzuschreiben, rausgeschmissenes Geld und vergeudete Lebenszeit. Also doch Korrektorat? Falls man nicht an jemanden wie Kia Kahawa gerät, vielleicht. Ich hatte mir ihre Webseite einmal angesehen und war darüber gestolpert, dass sie 99,9% aller Fehler findet. Der Umkehrschluss war, dass sie zehnmal so viele Fehler übersieht, wie branchenüblich. 99,9% klingt wahnsinnig viel, fast perfekt. Aber wer sich einmal überlegt, dass ein normales Buch locker auf 100.000 Wörter kommt, muss dann damit leben, dass immer noch hundert Fehler im Text sind. Hundert? Echt? Ja. Dabei wären zehn Fehler in so einem Buch das absolute Maximum. Nachdem ich das schrieb, hat sie es stillschweigend korrigiert auf nunmehr 99,98% (also zwanzig Fehler). Immer noch 0,01% zu viel, aber bitte. Aber anscheinend mögen es Korrektoren nicht so gerne, wenn man sie bei einem Fehler ertappt. Ups. Jedenfalls habe ich nie etwas von ihr gehört. Kritik muss man eben vertragen können. Korrektoren können sie gut austeilen, ob sie auch einstecken können?

Probedrucke zur Qualitätskontrolle

Weiß ich nicht, rechnen scheint jedenfalls nicht ihre Stärke zu sein. Wie eingangs erwähnt, bleibt einem (Schmuddelautor) wie mir nichts anderes übrig, als der Gang zu einem Selfpublisher. Zur Zeit versuche ich BoD, die Abkürzung für den englischen Ausdruck »Buch auf Nachfrage«. Das bedeutet: Bestellt jemand mein Buch, wird es gedruckt. Auf Annehmlichkeiten wie dünnes (also normales) Papier 80 g/qm muss man ebenso verzichten, wie auf die Lieferung am Folgetag der Bestellung. Dafür ist es unschlagbar günstig. Wirklich unschlagbar. Echt. Richtig. Günstig. Der dritte große Nachteil ist der Wind, der einem entgegen weht. Das sind die Vorurteile, die einem Hobbyautor im Eigenverlag begegnen. Völlig zu recht, denn wie das so ist mit Vorurteilen, es ist immer etwas dran. Von nix kommt nix. Ohne Feuer kein Rauch. Ganz klar, das allermeiste Zeug, was von einem Selfpublisher kommt, ist Schrott, absoluter Schrott. Inhaltlich, sprachlich und was die Professionalität angeht, erst recht. Die Firmen wie BoD wissen das natürlich und haben dementsprechend große Mühe, Aushängeschilder für ihre Webseite zu finden. Jeder auch nur halbwegs erfolgreiche Autor wird einen Selfpublisher in dem Moment verlassen, wo er ein Verlagsangebot bekommt, was er nicht ablehnen kann. Sind wir ehrlich, es macht einen Unterschied, ob dort Bod, oder aber DTV, Rowohlt, und was es sonst nicht alles an Großen der Branche gibt, steht. Von den Marketingmöglichkeiten eines populären Publikumsverlags ganz zu schweigen. BoD und die Mittbewerber versuchen auf zweierlei Art, ihr Image aufzupolieren. Erfolgreiche Autoren werden hofiert und mit höherer Marge geködert, sodass sie nicht abwandern wollen und dem Rest legt man nahe, branchenübliche Dienstleistungen der Buchherstellung dazuzubuchen. Das sind Covererstellung, Korrektorat und Lektorat beispielsweise.

Das ist natürlich schweineteuer, wir reden hier locker von tausend bis viertausend Euro, die schnell mal für ein Buch zusammenkommen. Ergo muss man die Werbetrommel rühren und ein Blog ist so etwas, eine fast kostenlose Werbetrommel. Gestern hat BoD fleißig gerührt. Im vierten Absatz des Interviews (Finde die Fehler und gewinne ein Korrektorat) steht dann die fragliche Zahl. 99%. Da hat es mich natürlich in den Fingern gejuckt und ich konnte es nicht lassen, einen Kommentar zu schreiben. Leider wird dieser Kommentar niemals das Licht der Welt erblicken. Aber ich will ihn euch nicht vorenthalten, bitteschön. Erst der Screenshot, dann mein Kommentar.

Screenshot BoD-Webseite (Blogbeitrag)

Hallo Herr Partschefeld,

eine Fehlerquote von 1% finden Sie akzeptabel? Sie sagen in dem Interview und so steht es im Blogbeitrag, dass Sie einen Text abliefern, der zu 99% fehlerfrei ist. Wenn Sie so schlecht korrigieren, wie Sie rechnen, weiß ich nicht, worin Ihre Dienstleistung überhaupt besteht. Mein letztes Manuskript hat in etwa 35.000 Wörter. Nach Ihrer Rechnung sind dann nach der Korrektur 350 Fehler im Buch? So viele hatte ich nicht einmal vor dem ersten Korrekturlesen.
Wenn in meinem fertigen Manuskript dreieinhalb Fehler sind, erst dann ist es perfekt. Eine Fehlerquote von 0,01%, oder nach Ihrer Rechenart zu 99,99% richtig. Da Sie in einem Manuskript hundertmal mehr Fehler akzeptabel finden als ich, sehe ich davon ab, mich am Gewinnspiel zu beteiligen. Gewinnen könnte ich dabei kaum, oder? Wir können Ihr Gewinnspiel ja einmal umdrehen. Sie finden in meinem Manuskript mehr als dreieinhalb Fehler und dafür zahle ich Ihre Dienstleistung?
Nein, Spaß beiseite, ich habe den gleichen Fehler neulich schon einmal bei einer Kollegin von Ihnen aus Hannover gefunden, dort stand es auf der Webseite und sie hat es dann umgehend korrigiert auf 99,98%. Das wäre mir immer noch zuviel. 99,99% müssten es schon sein, alles andere triebe mir die Schamesröte ins Gesicht. Jedenfalls, wenn ich als Korrektor arbeiten würde.

Herzlicher Gruß aus Frankfurt,
Tilmann Jörg (alias Loos Digger)

Jede Wette, dass BoD meinen Kommentar unter den Tisch fallen lässt? Dabei habe ich noch nicht einmal die Fehler erwähnt, die Jessica Halermöller in den Text eingebaut hat, alleine in dem kurzen Abschnitt sind es drei. Hat sie kein Korrektorat? Brauchen würde sie es. Besonders, was ihre Liebe zu Anführungsstrichen angeht. Der Herr Partschefeld hat zumindest den Bastian Sick gelesen, Frau Halermöller sollte dies schleunigst nachholen. Als absolutes Basic kann so ein populärwissenschaftliches, unterhaltsames Werk durchaus zur Bildung beitragen.


6 Gedanken zu “Korrektorat

  1. Erstaunlicherweise hast du nicht erwähnt, dass Frau Kia „bei expliziter Erotik oder pornografischen Inhalten“ einen Aufschlag berechnet.

    bei der Fehlermathematik bin ich nicht ganz sicher, ob du unterschieden hast zwischen „99,9 % aller Wörter sind nach der Korrektur richtig“ und „ich finde 99,9 % aller Fehler“. Das ist ja nun keineswegs dasselbe.

    Gefällt 1 Person

    1. Das mit dem Aufschlag hat sie mittlerweile rausgenommen. Erotik gibt’s gar nicht mehr. Aber da befindet sie sich in bester Gesellschaft. Erotik ist …
      Unerwünscht. Hüben wie drüben. 99,9% Adler Fehler wäre noch schlimmer, oder? 99,9% aller möglichen Fehler? Aller vorhanden Fehler?

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      1. Ich? Mir ist der Link völlig egal. Korrekturen interessieren mich aber nun mal, drum wollte ich hier bisschen rumsenfen.
        Aber natürlich sind Buchstaben nur Mittel zum Zweck. Deshalb demnächst mehr an passender Stelle 😉

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      2. Ach du bist es. 😁
        Ich meine mich zu erinnern, dass Kia das früher drin hatte mit der Erotik. Aber vermutlich bezog sich das auf das Lektorat. Erotik wird von ihr nicht (mehr) lektoriert. Korrigiert nur gegen horrenden Aufpreis. Obschon sie nicht gerade zu den billigsten gehört.

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