Sargnagel

Ich war einer der Sargnägel für den Verlust des Werbeetats von McDonald’s. Leo’s Thjnk Tank (mit Deppenapostroph, sagt eigentlich alles) hatte diesen sechs Jahre inne und nun wird er neu ausgeschrieben. Ich bin so stolz, euch berichten zu können, dass der unten stehende Text am 29. Februar erschien und auch sofort danach auf dem Schreibtisch der Marketingchefin von McDonald’s landete. Wenn ein so großer Konzern den Werbeetat wechselt, hat es niemals nur einen Grund. Aber ein Argument, den Etat neu zu vergeben, kann mein Beitrag schon gewesen sein. Geil, oder? Bloggen bringt vielleicht doch was? Aber genug geschwätzt, ich will euch den Stein des Anstoßes nicht vorenthalten. Hier ist der Originaltext, erschienen damals bei natuerlichnackt:

Fastenzeit

Vielleicht klingt es nicht so, denn obwohl ich für Religionen nicht viel übrig habe, respektiere ich die armen Irren, die sich Gläubige nennen. Sogar wenn ich das selbst Scheiße finde. Jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Und dies hier wird kein Statement pro Religion, auch wenn es im ersten Moment so scheint. Es wird auch keins gegen den Islam, obschon manche es so sehen. Es geht wieder einmal über den Kapitalismus und dessen Neigung für den Profit über Leichen zu gehen.

In überwiegend konservativ-muslimischen Ländern ist McDonalds dazu übergegangen, während der Fastenzeit auf seiner Werbung tagsüber das Essen zu verpixeln. So wie bei den Amis Brüste mit Nippeln, Schamdreiecke und Geschlechtsteile verpixelt werden. So weit, so peinlich. Doch Gastronomen drohen hundert Peitschenhiebe (bei den Saudis z.B.), falls sie gegen das Gesetz verstoßen, tagsüber Werbung für Speisen zu machen. In Deutschland ist McDonalds da nicht so zimperlich. Hier wurde mit dem Beginn der Fastenzeit »Der große Ostercountdown« ins Leben gerufen. Da gibt es jeden Tag ein Super-Angebot. Einen BigMäc zum Beispiel, geradezu ein beispielhaft vorbildliches Fastenessen der Katholiken! Oder Doppelmenüs, auch in bester Tradition der Fastenzeit. Einfach unglaublich.

Werbung in der Fastenzeit (Quelle Screenshot)

Entweder sind in der verantwortlichen Werbeagentur alle so verstrahlt, dass es ihnen egal ist (glaubt doch eh kein Schwein mehr dran) oder die Marketingabteilung ist so divers aufgestellt, dass keine Katholiken mehr dort arbeiten. Das muss doch jemandem auffallen? Klar fällt das jemandem auf, aber – das ist der Punkt – es ist ihnen völlig egal und der Profit ist hundertmal wichtiger. Dabei hätte es genug Gelegenheit gegeben, die Fastenzeit für was anderes zu nutzen. Die Veggie-Offensive zum Beispiel. Da hätte man mal trommeln können, aber nein, Billig-Fleisch satt, auch während der Fastenzeit. Stellt euch doch nur vor, was passieren würde, wenn McDonalds während des Ramadans schriebe:

From Dawn till Dusk
alles zum halben Preis!

Alle, aber wirklich alle, von den islamischen Verbänden, die aufschrieen; über alle anderen Religionsgemeinschaften, die kopfschüttelnd kommentierten; bis hin in die hohe Politik die sich entschuldigen und von einer schwer wiedergutzumachenden Verfehlung einiger weniger spräche; kurzum, es bräche die Hölle los. Aber die Katholiken? Machen nix, sind schon zu desillusioniert, zu abgestumpft. Damit die sich regen, muss man eine Synagoge stürmen (nicht gut) oder Moslems erschießen (auch nicht gut), dann kommt ein Statement. Vielleicht.


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